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eTruck-Charging – Herausforderung und Chance für Logistiker 

Logistik Einzelbild bearbeitet 02

Elektro-LKWs sind keine Zukunftsvision mehr, sie sind längst Teil der Realität der Logistikbranche. Bestimmt haben Sie schon die futuristischen Bilder von auf Messen ausgestellten Elektro-LKWs gesehen: windschnittig, auf Hochglanz poliert, aus einer anderen Welt. Auch wenn diese auffälligen Vertreter einiges hermachen, liegt der Fokus wohl weniger auf einem raumschiffähnlichen Design, sondern auf Effizienz, Alltagstauglichkeit und wirtschaftlicher Rentabilität. Das Fazit der IAA Transportation 2025 bezüglich elektrischen Schwerlastverkehrs ist dementsprechend: Fahrzeuge werden von allen großen Händlern angeboten, der Preis sei aktuell zwar noch sehr hoch, aber bereits heute können Elektro-LKW bei idealen Bedingungen eine bessere Total Cost of Ownership (TCO) als Diesel-LKW erzielen – dank effizienter Antriebe, geringerer Wartungskosten, Mautbefreiungen und günstigem Strom. Weiter besticht der Ausbau der Ladeinfrastruktur noch nicht durch Bestnoten. 

Umso wichtiger, dass genau dort gehandelt wird: Denn das eTruck-Charging lässt sich nicht einfach mit dem Aufladen eines gewöhnlichen E-Autos vergleichen. Allein die Kapazität der Batterien ist mit 600 bis 900 kWh um ein Vielfaches höher als beim PKW. LKW-Ladestationen benötigen daher eine Ladeenergie von mindestens 100 kW für das Übernachtladen und nach aktuellen Annahmen ca. 700 bis 900 kW für ein Megawatt Charging System (MCS). Mit zukünftigen PKW-Schnellladepunkten (High Power Charging – HPC) von 200 bis 400 kW könnte eine auch wirtschaftlich sinnvolle Zwischenlösung gefunden werden – dazu später mehr. 

Diese hohen Ladeleistungen benötigen dementsprechend eine leistungsstarke Infrastruktur im Hoch- und Mittelspannungsbereich, die einer sorgfältigen und langwierigen Planung bedarf, da diese oft nicht nur ausgebaut, sondern erst noch verlegt werden muss. Umso schwieriger gestaltet sich die Koordination der eTruck-Routen durch die Dispatcher, die die Ladeprozesse anhand von Ruhepausen, einer passenden Schleppkurve am Ladestandort, Points of Interest (z. B. Duschen, Restaurants, o.ä.), der abrufbaren Leistung und vor allem bezüglich der Verfügbarkeit von Ladepunkten effektiv entlang der aktuellen Ladeinfrastruktur planen müssen. Dispatcher benötigen also alle verfügbaren Daten, um zu gewährleisten, dass eine Ladestation auch zuverlässig arbeitet, denn sonst gerät die gesamte Planung ins Wanken. 

Entgegen allen Hemmnissen sollte nicht vergessen werden, dass der Verkehrssektor einer der Hauptverursacher von Treibhausgasemissionen ist. Trotz Effizienzsteigerungen bei LKWs sind die gesamten CO₂-Emissionen im Straßengüterverkehr heute um 21 % höher als 1995 – bedingt durch ein gestiegenes Transportaufkommen (vgl. umweltbundesamt.de). Um die nationalen und europaweiten Klimaziele zu erreichen, ist eine deutliche Reduktion dieser Emissionen erforderlich. Neben möglicher wirtschaftlicher Entlastungen bieten auch hier Elektro-LKW eine vielversprechende Lösung, da sie im Betrieb keine direkten CO₂-Emissionen verursachen – und noch mehr: weniger Feinstaub, weniger Lärm, weniger Treibhausgase.  

Herausforderungen beim LKW-Charging  

Nun möchten wir einen näheren Blick auf die schon angerissenen Herausforderungen beim Thema eTruck-Charging aus Sicht der E-Mobility-Branche werfen. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Hürden zwar auf den ersten Blick die Meinung zulassen könnten, der Weg sei zu komplex und nicht lohnend – bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber: Sowohl wirtschaftlich und operativ sind die Herausforderungen durchaus zu bewältigen – mit gezielter Planung, technologischer Innovation und geeigneten Softwarelösungen überwiegen die Vorteile. Doch greifen wir nicht zu viel vorweg und schauen, welche Hürden für das eTruck-Charging genommen werden müssen. 

Technologie  

Megawatt-Ladesysteme, High-Power-Charging und die Integration in bestehende Logistikabläufe erfordern erhebliche Investitionen. Betreiber:innen müssen frühzeitig planen, um Ladepunkte wirtschaftlich zu betreiben und die Investitionen über effizient genutzte Ladezeiten zu amortisieren. 

Infrastruktur und Zuverlässigkeit 

Eine gleichmäßig verfügbare Ladeinfrastruktur und intelligente Planung sind entscheidend für den wirtschaftlichen Betrieb elektrischer LKWs. Ladepausen müssen sich nahtlos in die Touren integrieren lassen – sonst entstehen Wartezeiten und ineffiziente Abläufe. Digitale Systeme für Reservierung und Lademanagement ermöglichen Dispatchern, Standzeiten effizient einzuplanen und Routen an verfügbaren Ladestationen auszurichten. Nur wenn angefahrene Ladepunkte zuverlässig funktionieren, bleibt die für Logistikunternehmen wirtschaftlich entscheidende Lieferkette intakt. 

Mit wachsender Zahl an eTrucks steigt auch der Bedarf an smarter Steuerung: Ladestationen mit flexiblem Management sorgen dafür, dass Energieflüsse, Ladezeiten und Betriebsabläufe effizient aufeinander abgestimmt bleiben.  

Kompatibilität  

Einheitliche Kommunikations- und Abrechnungsstandards wie OCPP und OCPI sind entscheidend, um den Datenaustausch zwischen Fahrzeug und Ladepunkt zu optimieren und Ladepunkte verschiedener Betreiber nahtlos in die Flottenprozesse zu integrieren. Nur so lassen sich Ladeprozesse zuverlässig steuern, Reservierungen ermöglichen und Betriebsabläufe effizient halten. 

Netz- und Standortfaktoren 

Die Energieversorgung bleibt ein zentraler Engpass für das eTruck-Charging. Hohe Ladeleistungen erfordern stabile Netze, verfügbare Anschlüsse und ausreichend Fläche – besonders an Logistikstandorten und Verkehrsknotenpunkten. Netzausbau, Genehmigungen und Flächenverfügbarkeit verzögern oft den Fortschritt, weshalb frühzeitige Planung und Kooperation mit Netz- und Standortpartnern entscheidend sind. 

Lösungsansatz: Zentralisierte Ladehubs für eTrucks  

Eine effiziente Ladeinfrastruktur für Elektro-LKWs erfordert mehr als Einzelstationen – zentralisierte Ladehubs sind einer der Schlüssel. Sie bündeln Ladepunkte, optimieren die Auslastung und reduzieren Standzeiten durch intelligente Organisation. Für die E-Mobility-Branche bedeutet das: Infrastruktur effizient nutzen, Ladeprozesse digital steuern und Wartezeiten minimieren. 

Traditionell nutzen LKW-Fahrer:innen öffentliche Tankstellen entlang ihrer Routen, anstatt betriebsinterne Tankanlagen anzufahren. Beim elektrischen Antrieb braucht es ein vergleichbares Konzept: strategisch sinnvoll gelegene Orte, an denen mehrere Fahrzeuge effizient und planbar laden können. Zentralisierte Ladehubs bieten hier die passende Lösung. Sie schaffen Synergien bei Flächennutzung, Energieverfügbarkeit und Management, was sowohl organisatorisch als auch wirtschaftlich Vorteile bringt. Gleichzeitig ermöglichen sie eine gezielte Steuerung von Lastprofilen, reduzieren die Konkurrenz um Netzressourcen und machen den Betrieb von Ladepunkten planbarer und rentabler. 

Zentrale HPC-Ladehubs: Effiziente Nutzung von Zeit und Ressourcen 

Die Kombination von zentralisierten Ladehubs mit High-Power-Charging (HPC) – also Ladestationen mit ca. 200 bis 400 kW – zeigt, wie eTruck-Laden effizient gestaltet werden kann. Idealerweise befinden sich diese Hubs in der Nähe von Logistikzentren, Industriegebieten oder Umschlagplätzen, sodass Fahrzeuge während Be- und Entladeprozessen oder ohnehin geplanter Standzeiten geladen werden können, ohne den Betriebsablauf zu unterbrechen. HPC-Ladestationen benötigen weniger Netzlast als Megawatt-Systeme und ermöglichen eine flexible Nutzung, abgestimmt auf Flottenplanung und operative Anforderungen. 
 
Klar ist aber auch, dass dies nicht die einzige Lösung darstellt. Eine Kombination aus verschiedenen Varianten ist wichtig, um auf elektrifizierten Nahverkehr, Regionalverkehr und Fernverkehr adäquat zu reagieren – oder besser noch ihn zu antizipieren. Am Ende ist es ein Wettlauf mit der Zeit sowie von der Verfügbarkeit von Ladestationen und der Menge an batteriebetriebenen LKWs: Denn je mehr LKWs es gibt, desto besser und zuverlässiger muss die Ladeinfrastruktur ausgebaut sein.  

chargecloud: Abrechnung, Reservierung und Zuverlässigkeit – die Schlüssel zur Akzeptanz 

Smarte digitale Lösungen ermöglichen es, die zuvor beschriebenen Herausforderungen – technische Voraussetzungen, ungleichmäßige Infrastruktur, Uptime-Sicherheit, begrenzte Ladepunkte und Prozessintegration – effizient zu bewältigen und den Betrieb wirtschaftlich zu optimieren. Hier setzt chargecloud an, damit eTruck-Flotten auch den Alltag meistern können: Mit einem ganzheitlichen SaaS-Ökosystem werden Ladeprozesse gesteuert, Abrechnungen automatisiert, Reservierungen koordiniert, Routen optimiert und der zuverlässige Betrieb aufrechterhalten. 

Gemeinsam mit dem Unternehmen für Routen- und Ladestoppplanung FRYTE haben wir eine Lösung entwickelt, die Dispatchern das Reservieren von Ladepunkten ermöglicht. FRYTE übernimmt die Routenplanung und bestimmt, welcher Ladepunkt wann für wen reserviert werden soll, während das chargecloud CPMS die Ladepunkte freigibt. So lassen sich die Ladezeiten für Fahrer:innen effizient in die Disposition integrieren, Wartezeiten vermeiden und Standzeiten optimal nutzen. Über die Anbindung an Backend- und TMS-Systeme lassen sich Touren weiter optimieren und in bestehende Flottenprozesse einbinden. 

Vor allem Zuverlässigkeit der angesteuerten Ladepunkte ist der entscheidende Faktor: Fällt ein Ladepunkt aus, kann der gesamte Betriebsablauf gestört werden – geplante Lieferzeiten werden unter Umständen nicht eingehalten. Das Zauberwort lautet Uptime: Zusammen mit unserem Marketplace-Partner Evailable setzen wir auf Predictive Maintenance, um die Success Rate beim eTruck-Charging deutlich zu erhöhen und damit eine stabile Nutzung im Alltag zu gewährleisten. 

Ein weiterer Ansatzpunkt ist die enge Zusammenarbeit mit Standortpartnern wie Hubload: Pilotprojekte im Hamburger Hafen zeigen, wie Ladehubs wirtschaftlich geplant und betrieben werden können, um auch umliegenden Spediteuren effiziente Ladeinfrastruktur bereitzustellen. 

chargecloud sorgt so dafür, dass Ladeinfrastruktur nicht nur technisch zuverlässig – beispielsweise durch die Implementierung von OCPI 2.3 –, sondern auch wirtschaftlich effizient und benutzerfreundlich betrieben werden kann – und die zuvor beschriebenen E-Mobility-Herausforderungen direkt adressiert werden. Die Akzeptanz bei Dispatchern, Fahrer:innen, Flottenbetreibern und Logistikunternehmen kann nur gesteigert werden, wenn wir uns den Herausforderungen gemeinsam stellen und eine flächendeckende Ladeinfrastruktur zuverlässig funktioniert. 

Exkurs FRYTE 

Die Partnerschaft zwischen chargecloud und FRYTE eröffnet Logistikern neue Möglichkeiten, ihre private eTruck-Ladeinfrastruktur am Standort effizient und wirtschaftlich zu betreiben. Über die FRYTE-Plattform können Ladepunkte am Depot unkompliziert für Dritte freigegeben werden – inklusive Reservierungstool, das eine planbare und reibungslose Nutzung durch externe Fahrer ermöglicht. 

Darüber hinaus profitieren Betreiber von der integrierten Disponentenlösung innerhalb der FRYTE-Plattform, die eine einfache Analyse, Planung und Steuerung von eTruck-Einsätzen unterstützt. 

Dank der tiefen OCPI-Integration sorgt FRYTE x chargecloud für eine nahtlose technische Verbindung zwischen der Ladeinfrastruktur, der FRYTE-Plattform und externen Partnern. 

So wird aus der Herausforderung eTruck-Charging eine echte Chance: Logistiker steigern die Auslastung ihrer Ladepunkte, optimieren ihre Betriebsprozesse und leisten einen aktiven Beitrag zum Aufbau einer offenen, interoperablen Ladeinfrastruktur im Schwerlastverkehr.  

Prognose des BMDV 

Die Elektromobilität im Schwerlastverkehr nimmt Fahrt auf – angetrieben durch technologische Fortschritte, sinkende Betriebskosten und regulatorische Standardisierungen. Laut Prognosen des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) könnte der Anteil batterieelektrischer LKWs bis 2040 auf 78 % steigen. Damit steigt auch der Energiebedarf auf geschätzte 120 TWh – ca. 6 % des Gesamtenergieverbrauchs 2040 –, was ein effizientes, intelligent gesteuertes Lade- und Netzmanagement erfordert. Frühzeitige Planung, gezielter Ausbau der Ladeinfrastruktur und digitale Steuerungslösungen werden entscheidend, damit Flotten effizient betrieben werden können und die Investitionen wirtschaftlich sinnvoll bleiben. (Quelle: “Einfach laden an Rastanlagen – Auslegung des Netzanschlusses für E-LKW-Lade-Hubs"

Fazit 

Die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs ist unvermeidlich – nicht nur aus Umweltgründen, sondern vor allem aus wirtschaftlicher Sicht. Elektro-LKWs bieten bereits heute unter idealen Bedingungen bessere TCO-Werte als Diesel-Fahrzeuge – dank effizienter Energieumwandlung, geringerem Wartungsaufwand (z. B. geringerer Bremsverschleiß durch Rekuperation, weniger Flüssigkeiten, etc.) und teilweise reduzierter Maut- und Energiekosten. 

Die verbleibenden Herausforderungen lassen sich durch gezielte Investitionen, den Ausbau der Ladeinfrastruktur und intelligente Prozessintegration lösen. Ladezeiten können in bestehende Standzeiten und Pausen eingeplant werden, Reservierungssysteme und Lademanagement sorgen für keine bis minimale Wartezeiten und digitale Lösungen – wie sie chargecloud zusammen mit Partnern wie FRYTE oder Evailable bereitstellt – ermöglichen eine optimale Tourenplanung und eine zuverlässige Verfügbarkeit der Ladepunkte. 

Erfolgreiches eTruck-Charging erfordert daher ein Zusammenspiel aus betriebssicherer Infrastruktur, Technologie, Standardisierung und digitalem Management. Mit einem ganzheitlichen Ansatz – wie ihn zentralisierte Ladehubs in Kombination mit intelligenten Systemen wie chargecloud bieten – können Standzeiten reduziert, Betriebskosten gesenkt und  die Ladepunkt-Uptime erhöht werden, was die Akzeptanz bei Flottenbetreibenden, Dispatchern und Fahrer:innen stärkt. 

Der Weg ist anspruchsvoll, aber wirtschaftlich lohnend: Wer frühzeitig plant, die Infrastruktur smart nutzt und digitale Tools konsequent einsetzt, sichert sich Effizienzvorteile und ist bestens auf den Hochlauf der eTrucks vorbereitet.